Besser im Vogelsberg

Der schönste Tag im Oktober könnte dieser Sonntag werden. Fängt schon morgens gut an und wird danach immer besser.

So gut, dass ich es um 12:30 nicht mehr aushalte, die Enfield anwerfe und mich auf den Weg mache – auf den Weg ins Amöneburger Becken. Hier verhält es sich wettertechnisch meist wie in der Wetterau: Einen Tick besser und wärmer als im Vogelsberg. Und vielleicht schaffe ich es heute, die Bullet zu treffen, die mir schon mehrfach rund um Amöneburg begegnet ist.

Zuerst zeige ich hier aber meine neue Lenkeruhr. Neben ein paar weiteren Motorradteilen und Computerzubehör habe die über eachbuyer.com direkt aus China gekauft – so quasi als Testballon. Die Preise sind jedenfalls unglaublich niedrig, und als nach knapp 3 Wochen das Paket eintrifft, bin ich überrascht über die gute Qualität speziell der Motorradteile. Auch diese Uhr ist prima verarbeitet und verchromt und sie funktioniert sogar. Aber das nur am Rande.

Also starte ich bei traumhaft schönem Wetter vom Rande des Vogelsberges und bis in den Wald hinter Deckenbach bleibt es auch so. Aber dann …..

Kurz vorm Rondinchen, dem Tor ins Amöneburger Becken, liegt plötzlich richtig dichter Nebel über dem Land. Du siehst nichts von der Landschaft unter dir, die Straßen sind eklig feucht und es ist schlagartig kälter geworden.

Fast im Blindflug eiere ich die Kurven vom Rondinchen herunter nach Gontershausen, aber auch hier unten bleibt mir der Nebel erhalten. Kurz darauf klappt mein rechter Spiegel ein und ich muss die erste Pause aufgrund einer Reparatur an der Enfield einlegen. Gut, dass ich beide Toolboxen mit Werkzeug gefüllt habe, und natürlich sind auch 9er und 14er Schlüssel für die Reparatur des Highsider Spiegels dabei.

Auch die folgenden Kilometer bleibt es vernebelt und von Amöneburg ist weit und breit nichts zu sehen. Also muss ich umdisponieren und halte mich erst einmal in Richtung Marburg. Und wahrhaftig hört der Nebel kurz vor Schröck auf und es ist wieder strahlend schön – wie im Vogelsberg. Da hätte doch gleich im Vogelsberg bleiben können.

Natürlich möchte ich nicht nach Marburg fahren und schwenke in Schröck in Richtung Ebsdorfergrund. Dabei komme ich zum ersten mal auf ein Sträßchen nach Mölln, an dem diese wirklich große Biogas-Anlage liegt. Beeindruckend, und ich glaube, dass ist eine der Anlagen, die von der Gemeinde Ebsdorfergrund betrieben wird. Der Errichter ist die Firma Weltec aus Vechta. Diese Art der alternativen Energie gefällt mir wesentlich besser, als die ungezügelt Aufstellung unzähliger Windräder, wie es im Vogelsberg der Fall ist.

Nun durchfahre ich den Ebsdorfergrund fast in seiner gesamten Länge. Am Steinbruch der Firma Nickel war ich das letzte mal mit der IZH Planeta und da hatte ich noch meine erste Enfield.

Jetzt wird erst einmal nur gefahren – Ebsdorfergrund, Rabenau, Giessener Land, Buseck und Reiskirchen. Die einzige Pause lege ich an diesem schönen Baum bei Climbach ein. Und wie unschwer zu erkennen ist, bin ich wieder mitten im besten Wetter.

In Reiskirchen beschliesse ich, über Ettingshausen, Lauter, Ruppertsburg und Einartshausen in den Laubacher Wald zu fahren. Ich will sehen, was am Falltorhaus heute los ist. Und ganz nebenbei stoße ich dabei auf deutliche Spuren des Indian Summer. Nicht gewaltig, aber immerhin.

Kurzer Halt im Laubacher Wald – einfach, weil’s hier so hübsch ist.

Am Falltorhaus ist ordentlich was los, kein Wunder bei dem Traumwetter im Vogelsberg. Mit den beiden Herren unterhalte ich mich ausgiebig über Dieselmotoren und Treibstoffe – beide kennen sich sehr, sehr gut aus in dieser Materie.

Wahre Emanzipation: Bei diesem netten Paar fährt der Herr die leichte und schlanke Harley, eine Fortyeight, und die Dame die 400 kg schwere Indian Chief. Aber ehrlich: Ich kann die Aussage des Herrn gut nachvollziehen: „Die Indian ist mir zu schwer für den Vogelsberg“.

Als der Abend naht, beende ich meine kleine Reise mit der Enfield. 150 wunderbare Kilometer waren das heute und erneut hat mir die kleine Inderin viel Spaß bereitet.

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag