In den letzten 10 Tagen war das Wetter ja … irgendwie seltsam: Kalte Nächte, bis hinunter in den einstelligen Bereich, tagsüber Erwärmung im 20-25 °C Bereich, dann plötzlich kurzeitig wieder hoch bis fast 30°C. Also es war jedenfalls seltsam. Dennoch eigentlich ein Wetter, das mir früher durchaus sympathisch war - jedenfalls zum Motorrad fahren. Aber jetzt hat’s mich eher gelähmt.
Es gab zwar einige winzige Fahrten, hauptsächlich mit der Vespa, aber die fahren eher lustlos. Wie ich’s auch angestellt habe: In 90% der Fälle war ich falsch angezogen. Es wurde auch keine der Fahrten länger als nötig - ich hatte einfach keine Lust - und deshalb tauchen diese Fahrten auch nicht im Blog auf.
Aber heute ist das anders: Das Wetter passt, ist mit 25 °C perfekt, dazu weht ein laues Lüftchen, Regen ist nicht in Sicht. Alles gut also.
Und trotzdem ist es wieder seltsam, aber anders. Die Farben der Landschaft erscheinen mir falsch und unwirklich und ich habe das Gefühl, in eine Demonstration des Klimawandel hinein geraten zu sein. Aber ich habe meinen Spass beim Fahren, und das macht alles noch unwirklicher: Spass inmitten deutlicher Zeichen der klimatischen Apokalypse. Ja, heute ist es deutlich wie selten: Alles ändert sich, und das nicht zum Guten. Oder wie eine gute Freundin gern sagt: Und es wird noch schlimmer.

Am Wasserhäuschen von Freienseen verlasse ich die Strasse und fahre über den Feldweg durch abgeerntete Felder. Deren Anblick verstärkt mein Gefühl von Veränderung.

Selbst das Grün der Bäume erscheint heute schwächer als sonst. Oder stimmt das womöglich gar nicht und alles apokalyptische spielt sich nur in meinem Kopf ab? Gut möglich.

Kurz vor Sellnrod komme ich wieder zurück auf den Asphalt. Gut so, jetzt kann der Fahrtwind die Gräser und Halme aus der Karosserie des Rollers heraus blasen. Also Vollgas.

Auch wenn die Freude an der Landschaft heute nicht sehr ausgeprägt ist, geniesse ich doch das lautlose elektrische Dahingleiten des Rollers. Das reisst heute alles raus.

Nach 40 Kilometern bin ich jetzt zwischen Ilsdorf und Stockhausen wieder kurz vor Zuhause. Mittlerweile ist es mir gelungen, die leicht negativen Gedanke abzuschütteln. Geschafft habe ich das durch intensives Nachdenken über eine kleine Rückkehr zu einem Motorrad - und zwar zu einer BMW, zu einer alten BMW. Das werde ich später gedanklich noch präzisieren. Aber heute nicht mehr.