Eigentlich liegt nicht viel an an diesem Samstag vor Pfingsten: Lediglich eine gross Tüte Einbacks ist vom Bäcker Müller in Grünberg abzuholen. Das Wetter ist ja endlich so geworden, wie ich mir einen Mai vorstelle: Warm und sonnig. Um 9:00 sind schon die 16°C überschritten und genau da starte ich auch mit der Vespa in Richtung Grünberg.
Als 10 Minuten später der Einkauf in meiner Umhängetasche von Tucano Urbano verschwunden ist, geht es keinesfalls zurück nach Hause. Der Asphalt der Strasse lockt dermassen, dass ich fast wie in Trance weiterfahre: Von Grünberg nach Münster und weiter in Richtung Lich.

Kurz vor Lich lockt mich dann das Ortsschild Ober-Bessingen in den Ort hinein und dort zum Autohaus mit den Kleinfahrzeugen, hauptsächlich den Microlinos. Davon stehen heute zwei Exemplare vorm Gebäude, und das kleine Rat-Car mit der künstlichen Patina gefällt mir ausserordentlich gut. Ein Stück weiter und mitten im Ort besuche ich dann die Ortsbäckerei Schäfer und sehe zum ersten mal Kokosecken, eine Alternative zur Nussecke. Einige davon verschwinden in der Tucano Urbano Tasche.

Weiter geht die frühlingshafte Fahrt über Lich und Albach nach Fernwald. Beim Yamaha-Händler bin ich länger nicht gewesen und schau mich ein wenig um.

Ein Kunde inspiziert einen Grossroller und wird gleich eine Probefahrt damit unternehmen.

Bei den Gebrauchten steht die stark herunter gerittene SR500, deren Preis ich erfrage. Aber es ist keine Gebrauchte, sondern ein Kunden-Motorrad. Ich befürchte, bei einem guten Angebot hätte ich mir noch mal eine SR gekauft. Puh, Glück gehabt.

Der Chef des Hauses schwärmt mir vor, wie gut die modernen Yamahas sind und wie wunderbar sich heutzutage ein Automatik-Motorrad fährt. Ich zweifle das stark an, worauf er mich zu einer Probefahrt nötigt: Mit einer niegel-nagel-neuen MT07 - mit Automatik. OK, ich mach’s und nach 20 Sekunden Einweisung geht es los.

Ich komme sofort und perfekt mit dem Motorrad klar - bis aus auf den Blinkerschalter. Als das Blinken und Ausschalten der Blinker dann klappt, ist die Fahrt das pure Vergnügen. Das Motorrad wiegt weniger als 200 kg, das Fahrwerk ist tadellos und die Automatik funktioniert prächtig.

Die Anzeigen im Display sind trotz der starken Sonne bestens zu sehen, die Bedienung aller Komponenten ist intuitiv. Das Fahren auf den Strässchen um Fernwald, Oppenrod und Albach macht gewaltigen Spass. Und den Schalthebel vermisse ich nicht die Bohne.

Als Liebhaber klassischer Motorräder ist das Äussere der Yamaha natürlich absolut nicht mein Fall, aber der Fahrspaß bügelt das alles weg. Nach 25 Kilometern bin ich kurz davor, eine MT07 zu kaufen, so als das letzte Krad eines gealterten Bikers.
Wie auch immer, ich habs dann erstmal nicht gekauft, aber vom Tisch ist das Thema noch nicht. Während der Heimfahrt mit der Vespa habe ich viel Zeit zum Nachdenken und komme auch langsam wieder zu mir. Nach 75 Kilometern (plus der 25 mit der MT07) bin ich dann zu Hause und weiss, dass ich auf längere Zeit mit der Yamaha nicht glücklich wäre. Ich sehe deutliche Parallelen mit der SV650, die ich um 2010 gefahren habe. Auch ein tolles Motorrad, aber eben nicht mein Fall. So wäre es wohl auch mit der Yamaha geworden. Also Nein, kein modernes Krad mehr - auch wenn’s schwerfällt.