In der Tat schreibt meine Vespa seit Jahren eine schier unendliche Geschichte. Die handelt von einer kleinen Uhr, eingebaut im Tacho des Rollers. Ursprünglich und ab Werk wird diese Uhr von einer winzigen Knopfzelle versorgt, die direkt in die Uhr eingebaut ist. Das ist eine ganz üble Konstruktion, weil der Aufwand, diese Batterie zu wechseln, unglaublich hoch ist.
Also habe ich vor vielen, vielen Jahren eine baugleiche Uhr dort eingebaut, die von einer externen Babyzelle mit 9 Volt versorgt wird. Die Babyzelle hat ihren Platz in einem kleinen Fach im Beinschild, das mit einem Plastikdeckel versehen ist. Akkuwechsel ist seitdem ein Klacks.
Aber fast exakt vor einem Jahr ist diese Uhr langsam gestorben: Zuerst versagten einzelne Segment der Anzeige, bis gar nichts mehr ging. Kaputt also. Aber Ich habe Ersatz, doppelt und dreifach sogar. Nur konnte ich mich ein Jahr lang nicht zum Uhrentausch entschliessen - einfach weil ich weiss, was für eine Scheissarbeit das ist. Nicht schwer, aber ekelhaft. Abschrauben von jeder Menge Plastikteile mit unglaublich versteckten Schrauben - jedenfalls eine Heidenarbeit. So schlimm, wie früher der Batteriewechsel.
Aber heute kann ich mich aufraffen und am frühen Nachmittag gehts ab in meine Werkstatt. Begeistert von der Aufgabe bin ich nach wie vor nicht, aber was muss das muss.
Also los:
- Windschild abschrauben
- Spiegel abbauen
- Hupenabdeckung entfernen (dazu das Piaggio Schild abhebeln)
- Schrauben der hinteren Lenkerverkleidung entfernen
- Alle Schrauben der vorderen Lenkerabdeckung entfernen
- Vordere Lenkerabdeckung ein Stück abziehen
- Tachowelle und alle Stecker abziehen
- Nichts vergessen? Dann hintere Lenkerabdeckung abnehmen
- Tacho aus der Lenkerabdeckung schrauben und Glas entfernen
- Uhr entnehmen, neue Uhr einlegen
Puh, diese Arbeit ist 100%ig spassbefreit. Plastiknasen können brechen, Schräubchen können in die Verkleidung fallen und damit auf ewig verschwinden, Stecker wollen sich nicht lösen lassen - all das kann passieren. Aber meist klappt dann doch alles.

Hier bin ich schon recht weit gekommen und gleich werde ich den ausgebauten Tacho in der Hand halten. Dann dürfte das Schlimmste geschafft sein.

Auch die “Krawatte” muss entfernt werden, weil dahinter Befestigungsschrauben sitzen. Und bis mir wieder eingefallen ist, dass vorher das Piaggio Schild entfernt werden muss und dass ich dafür nur einen dünnen Schraubendreher rechts in eine Aussparung stecken muss, naja das hat etwas gedauert.

Und schon bin ich wieder beim Zusammenbau. Die Uhr ist montiert, der Tacho wieder zusammen, jetzt noch die Steckverbindungen wieder verbinden, die Tachowelle anschliessen und etliche Blechschrauben eindrehen.

Und natürlich die neue Uhr einstellen. Voila, das war’s für heute. Aber ehrlich: Ich hätte viel lieber an einem Motorrad geschraubt. Roller, besonders Vespa und ganz speziell Vespa Cosa sind, was Schrauben betrifft, quasi die Höchststrafe für den Monteur.

Fast alles sitzt wieder am angestammten Platz, nur das grosse Windschild fehlt noch. Das macht zum Glück keine Probleme, denn diese Dübeltechnik ist eine grandiose Lösung zur Befestigung. Einfach, stabil, keine grossen Einstellereien - wirklich prima. Ja, Vespa kann auch clever.

Gegen 17:00 sieht alles wieder so aus, als wäre hier nichts gewesen. Auch mein Ärger über italienische Roller-Konstrukteure ist verflogen. Morgen wird die neue Uhr ausgeführt.